St. Pauli welcome!

Man kann der Bildzeitung wirklich vieles vorwerfen, aber eines ganz gewiss nicht: dass sie nicht ein sehr feines Gespür für die Stimmung ihrer Leser hat und das jederzeit in Auflage umzusetzen versteht. Im Moment ist die Stimmung eindeutig pro Flüchtlinge. Also initiiert die Bild die Aktion „Wir helfen.“ Wenn Kai Diekmann, seines Zeichens Chefredakteur dieses Blattes, irgendwann merkt, dass die Stimmung kippt, wird er der erste sein, der in großen Lettern fragt: „Ist unser Boot voll?“.

Die „Bild“ hat ein geradezu blutsaugerisches Interesse am Populismus. Man darf also der Prinzipienfestigkeit ihrer Redaktion nicht allzu weit über den Weg trauen und genau das dokumentierte der Fußballverein St.Pauli mit seiner Weigerung, die Bild am nächsten Spieltag zu bewerben, indem er seine Spieler die Binde  „refugeeswelcome“ mit dem Bild-Logo tragen lässt.  „Der FC St. Pauli steht für eine Willkommenskultur, und wir handeln damit auf eine Art und Weise, die unseren Club schon seit Jahrzehnten ausmacht. Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird“, erklärte der kaufmännische Geschäftsleiter Andreas Rettig auf dpa-Anfrage. 

Kai Diekmann unterstellt St.Pauli auf twitter, kein „Herz für Flüchtlinge zu haben“. Ach je. Ausgerechnet die Bild.

Der keine Schlagzeile zu blutrünstig, keine Menschenwürde zu unwichtig, kein Schicksal zu elend, kein Foto zu geschmacklos ist – ausgerechnet sie schwingt sich zum Rächer der Enterbten auf.

Union Berlin hat sich entschieden, dem Vorbild von St.Pauli zu folgen. Es ist zu hoffen, dass sie nicht die einzigen bleiben. Auch der gute Zweck rechtfertigt nicht jeden Mittler.