Katholische Kaninchen

Es gibt ja in diesen Tagen jede Menge Menschen, die aus verschiedenen Gründen zutiefst beleidigt sind. Die Pegida-Macher sind beleidigt, weil sie zwar massenhaft Rechtsextreme in ihren Reihen haben und Lutz Bachmann Asylbewerber als Viehzeug bezeichnet, das jedoch keinesfalls dazu führen soll, die Bewegung in die Nähe von Nazis zu rücken. Der Verein Berlin Postkolonial ist beleidigt, weil Dieter Hallervorden für die BVG den U-Bahnhof Mohrenstraße ansagt.  Die Muslime weltweit sind beleidigt, weil Charlie Hebdo schon wieder den Propheten auf seinem Titel abgebildet hat. Und Michel Houellebecq ist beleidigt, weil man ihm unterstellt ein islamophobes Buch geschrieben zu haben.

In die Reihe der Beleidigten begibt sich jetzt der Deutsche Kaninchenzüchterverband, von dem man mit Fug und Recht behaupten kann, er habe bisher eher wenig Schlagzeilen gemacht.  Quelle der Beleidigung war ausgerechnet der Papst, der betont hatte, Katholiken müssten sich nicht „wie Karnickel“ vermehren. Der Verband beeilte sich, darauf hinzuweisen, dass ungezügeltes Sexualverhalten nur bei wild lebenden Kaninchen vorzufinden sei, bei Zuchtkaninchen verlaufe hingegen die Fortpflanzung in „geordneten Bahnen“. Für den Laien ist es schwer vorstellbar, wie der Züchter dem Kaninchen klarmacht, dass es nur Dienstag und Donnerstags die Kaninchenfrau besteigen darf, aber überlassen wir das Geheimnis den Züchtern. Fest steht nach dieser Enthüllung, dass sich gute Katholiken an Zuchtkaninchen ein Beispiel nehmen könnten, ja mehr noch: sollten. In der Formulierung dieses Vorschlags muss aber unbedingt Feinfühligkeit walten. Es könnte sich sonst jemand beleidigt fühlen.